Stellvertretung bis Sommer:

Rhythmik / Musik und Bewegung in Weisslingen

Die Primarschule Weisslingen sucht ab Mi, 19. Mai 2021 bis zu den Sommerferien eine Lehrperson für Rhythmik/ Musik und Bewegung. Grund ist ein Mutterschaftsurlaub.

Wann: jeweils Mittwochs von 09.00- 12.00h (3 Lektionen).
Wer:    jeweils 3 Gruppen Erstklässler. 
Kontaktaufnahme mit dem Schulleiter Marco Amrein: 052 394 30 54 oder Anna Gordos (jetztige Vertretung): 076 413 53 10

Studierendenporträt

Jeanaine Jarret
Master Music Pedagogy – Schulmusik II

Mit dem Kontrabass in den Armen und dem Mikrofon nahe den Lippen verleiht Jeanaine Jarret der groovigen Basslinie eine fliessende Melodie. Sie platziert die Basstöne so, dass der Raum bebt.

VON CHRISTINA WALLAT
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Christina Wallat: Du hörst viel Pop, warum also ein Jazzstudium?
Jeanaine Jarret: Ich habe nach acht Jahren klassischem Klavierunterricht auf Jazz gewechselt und zusätzlich begonnen, Kontrabass zu lernen. Seit der Gymnasialzeit habe ich mich mit Jazztheorie auseinandergesetzt und eine Faszination für den Sound entwickelt. Im Jazz sind so viele verschiedene Stile verpackt, die ich sowohl gerne höre wie auch spiele.

Dein Hauptinstrument ist der Bass. Seit Kurzem begleitest du dich selbst auch singend. Was ist die Herausforderung daran?
Die grösste Herausforderung ist für mich die Intonation. Kontrabass und Gesang sind beides Instrumente, bei denen man intonieren muss. Kommt hinzu, dass die Ranges der beiden Instrumente weit auseinanderdriften. Es ist manchmal schwierig, die Töne des Basses genau wahrzunehmen und mit dem Gesang zum Klingen zu bringen. Die Koordination war für mich in dieser Zusammenstellung etwas Neues. Ich begleite mich seit ich Kind war an der Gitarre oder am Klavier. Am Kontrabass ist das Feeling jedoch ein ganz anderes. Ich musste lernen, am Kontrabass rhythmisch stabil zu bleiben, während sich der Gesang frei bewegt.

Was bedeutet es für dich, deine eigene Musik zu performen, und wie unterscheidet sich dies davon, Musik zu covern?
Am Bachelorkonzert im September 2020 habe ich zum ersten Mal ein ganzes Set meiner eigenen Musik gespielt. Mit meinen eigenen Liedern kann ich mich voll und ganz identifizieren. Die Lyrics erzählen wahre Geschichten und Erlebnisse. Bei Covers bin ich gefühlsmässig zwar dabei, habe aber oftmals kein spezifisches Bild im Kopf. Sie sind für mich viel weniger persönlich.

Welches sind deine aktuellen Projekte?
Ich werde mein eigenes Projekt «Jeanaine Jarret» weiterziehen. Mit Joachim Frey und Samir Böhringer, die beide auch an der ZHdK studieren, habe ich vor Kurzem ein Trio gebildet. Wir spielen eigene Kompositionen und interpretieren moderne Folksongs neu im Kontext eines elektrischen Jazztrios. Zudem spiele ich mit der Berner Band HOME, die vom Saxofonisten Marco Karrer geleitet wird, Contemporary Jazz, und beim Singer-Songwriter Tobias Jensen spiele ich E-Bass.

Wer oder was verdient eine Renaissance?
80er-Jahre-Musik – einfach ein guter Vibe! Wenn ich an die Eighties denke, kommen mir sofort Whitney Houston und Michael Jackson in den Sinn. Ich bin ein sehr grosser Fan von beiden und würde sofort an ein Konzert von ihnen gehen, wenn sie noch lebten.

Jeanaine Jarret performt «Those Times», live im Mehrspur Club Zürich im September 2020:

Weniger ist mehr

In diesem Semester verfassen die Studierenden des ersten Jahres des Masterstudiums Schulmusik II unterschiedliche Texte über Musik und Pädagogik. 

Ein Text von Caesar Oetterli

Meine Begeisterung für Musik war schon immer sehr breitgefächert. Umso schwieriger war es, die Entscheidung zu treffen, ob ich Klavier oder Drumset studieren sollte – oder dann doch Orgel? «Versuchen schadet ja nicht», dachte ich und startete mein Schlagzeugstudium und die Grundausbildung zum Organisten, «einfach mal zum Ausprobieren». Aber was ist denn jetzt mit Klavier? Und eigentlich wollte ich später doch auch Klassen unterrichten? So kam es dann auch, dass ich mich nicht nur im Schlagzeugstudium, sondern zeitgleich auch in der Grundausbildung zum Organisten und im Schulmusikstudium wiederfand. 

Mir wurde klar, dass ich Abwechslung sehr schätze und gerne verschiedene Rollen in der Musik und Pädagogik einnehme. Ich genoss es sehr, während dem Studium allerlei Inhalte und verschiedenste Perspektiven zur Musik behandeln zu können. Logischerweise musste es dann auch so kommen, dass mein Einstieg in die Berufswelt genau gleich wie mein Einstieg ins Studium verläuft – statt mich auf einen Beruf zu konzentrieren, bin ich hauptsächlich als Springer für verschiedene Musikberufe tätig. 

Die grosse Hürde ist es, sich auf Abruf in die verschiedenen Rollen versetzen zu können. Springer sind ja besonders dann notwendig, wenn kurzfristig jemand benötigt wird. Und dann heisst es, innert wenigen Tagen wieder das Orgelhandwerk aufzufrischen – oder das der Klavierlehrperson – oder das des Perkussionisten im Blasorchester. 

Weniger ist mehr

Ich merkte schnell, dass ich nicht für alles gut vorbereitet sein kann. Seien das neue Situationen, oder Momente, die besonders auf Interaktion basieren. Aber trotzdem gab es einen Grundsatz, der mich bisher immer gut ans Ziel geführt hat: «Auf was kommt es an? Auf was muss ich mich konzentrieren?». 

Zielgeführt zu arbeiten wurde zu meinem täglichen Handwerk. Für mich bedeutet das vor allem, sich zu reduzieren. Es ist einfach, zu viel machen zu wollen – besonders dann, wenn man sich gerne selbst herausfordert. Weniger zu machen hat aber nicht nur Nachteile, man wird konkreter, sachbezogener und auch lösungsorientierter, denn als Springer bleibt für mehr manchmal keine Luft übrig. 

Mittlerweile wird so auch meine Herangehensweise an den Unterricht beeinflusst. Um was geht es in meiner Lektion? Welchen Kerninhalt möchte ich vermitteln? Was sollen die Schüler:innen lernen und können? Erst nachdem mir diese Grundfragen klar sind, beginne ich mit dem Gestalten des Unterrichts. Während des Unterrichts gibt mir diese Klarheit eine Stütze, um aus dem Moment heraus reagieren zu können – genau die gleiche Stütze, die mir durch die verschiedenen Situationen als Springer hilft. 

Zielgeführtes Üben, Lernziele, sich bewusst zu sein, wo man den Schwerpunkt setzen soll, all das gibt Stabilität. Auch wenn vieles im Unterricht und auf der Bühne im Moment und durch Interaktion geschieht, bleibt dieser Grundsatz ein Gerüst, an dem ich mich festhalten kann – auch wenn nicht immer alles so läuft, wie ich es gerne hätte.  

Klänge sehen, Farben hören

In diesem Semester verfassen die Studierenden des ersten Jahres des Masterstudiums Schulmusik II unterschiedliche Texte über Musik und Pädagogik. 

Ein Text von Silvia Strebel

Wenn Musik plötzlich nach frisch geschnittenem Gras riecht oder Bewegungen hoch virtuos klingen; wenn Charaktere Farben haben und Geschmäcker Formen, dann sind wir meistens am Träumen oder in einem psychedelischen Zustand. Es gibt diese Art von Wahrnehmung aber auch im wachen Leben, ohne Drogen.
Dieses Phänomen wird als Synästhesie bezeichnet und beschreibt die Vermischung mehrerer Sinne. Etwa 4% der Bevölkerung weisen mindestens eine Form von Synästhesie auf, wobei die Graphem-Farb-Synästhesie (Wörter, Buchstaben und Zahlen als Farben wahrnehmen) am häufigsten vorkommt. Die Ausprägung und Art der Synästhesie ist von Person zu Person verschieden.

Interessanterweise ist der Prozentsatz von Synästhetikern an Kunsthochschulen deutlich höher als an wissenschaftlichen Universitäten. 

Synästhesie in der Musik

Musiker wie Olivier Messiaen, György Ligeti, Jimmy Hendrix und Billie Eilish haben alle gemeinsam, dass sie Farben sehen, wenn sie Musik spielen oder hören. Viele Komponisten erklären, dass sie in ihren Kompositionen ein bestimmtes Farbbild anstrebten und Klänge aufgrund ihres Aussehens genau so gewählt haben. Das mag für Nicht-Synästhetiker sehr wirr klingen, ergibt aber durchaus Sinn.

Für mich ist das Hören von Musik mit geschlossenen Augen deshalb viel intensiver, weil sich vor meinem inneren Auge farbige Kunstwerke abspielen. Gewisse Komponisten rufen bei mir mit ihren Kompositionen ganz bestimmte Assoziationen hervor, wobei andere Stücke schwarz bleiben.

Synästhesie im Unterricht

Viele Lehrpersonen benutzen in ihrem Unterricht Farben, um gewisse Dinge besser zu veranschaulichen. Dies mag für den grössten Teil der Schulklasse eine gute Hilfestellung sein, ist aber für Synästhetiker sehr verwirrend.

In der Primarschule werden Wortarten oft an eine Farbe gekoppelt vermittelt. So sind zum Beispiel Nomen braun, Verben blau und Adjektive gelb. Doch was geschieht nun mit den Schüler:innen, welche wegen ihrer Synästhesie andere Farben mit den Wortarten assoziieren? Für jene sind möglicherweise die Adjektive blau und die Verben rot und sie verwechseln nicht die Wortgruppen, sondern die Farben. Eine Alternative dafür wäre, die Schüler:innen ihre persönlichen Farben für die jeweiligen Wortgruppen wählen zu lassen. Gerade beim Lernen können Farben für Synästhetiker eine grosse Hilfe sein, aber nur, wenn sie individualisiert sind.

Leider wird über die Thematik der Synästhesie an den Pädagogischen Hochschulen aber noch viel zu wenig gesprochen. Dabei sind Synästetiker doch bloss Menschen, die mehr sehen, mehr hören und doch oftmals missverstanden werden.

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