Tag: Interkultur

Interview mit Evi Barmet

Evi Barmet studierte an der ZHdK MA Elementare Musikpädagogik und arbeitet als Primar- und Musiklehrerin. Von Januar bis März 2020 unterrichtete sie in einem Schulprojekt in Äthiopien.

Auf keinen Fall sollte man das Gefühl haben, die Welt zu verbessern. Es ist viel mehr eine Weiterbildung für einen selbst … Für mich habe ich ganz viel von meinen Auslandsaufenthalten profitiert, sei es nun für meine Persönlichkeit oder auch mein Wirken als Pädagogin.

Evi Barmet

Sabine Dani: Erzähle uns von dem Projekt in Gidole. Wie lange warst du dort?
Evi Barmet: Ich war für 3 Monate in Äthiopien und habe 2 Monate davon im Schulprojekt “Berhan Learning Center” in Gidole verbracht. Mit dem Ziel, wohlhabendere und einflussreiche Familien in der Kleinstadt zu behalten, wurde diese Privatschule von Einwohner*innen in Gidole gegründet. Aktuell gibt es 5 Abteilungen in der Schule (Spielgruppe, Kindergarten 1-3 und 1. Klasse). Rund 200 Kinder im Alter von 4-8 Jahren sind an der Schule angemeldet und besuchen täglich den Unterricht.

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Ländler, Rap und Gangnam Style: “Weltmusik” im Wandel der Zeit

Gastbeitrag von Hannes Liechti

Was ist «Weltmusik»? Musik, die überall auf der Welt gespielt wird? Musik, die aus fernen Weltregionen zu uns dringt? Oder gar Musik, die universell von allen Bewohner*innen dieser Welt verstanden wird? In diesem Beitrag skizziert der Musikethnologe Hannes Liechti (Norient) die Geschichte der «Weltmusik» und verdeutlicht die ambivalente Bedeutung und Verwendung des Begriffs. Daraus und aus der Diskussion von vier Beispieltracks lassen sich nicht zuletzt erste Perspektiven für den Umgang mit sogenannter Weltmusik im Unterricht gewinnen.

Was ist «Weltmusik»?

Eine erste Annäherung an diese Frage führt über Musikbeispiele. Die eingebundene Playlist ist eine heterogene Sammlung mehr oder weniger zufällig ausgewählter Songs und Tracks. Die Liste könnte ungleich länger sein, es soll hier einzig um die Beispielhaftigkeit der versammelten Tracks gehen. Wenn man denn so möchte, könnten alle diese Tracks als «Weltmusik» bezeichnet werden. Es bleibt jedoch bei der Möglichkeitsform, einen Konsens gibt es hier nicht. Schwyzerörgli-Musik würde wohl meist als traditionelle Musik aus dem Alpenraum bezeichnet werden und in «Norwegian Wood» (1965) spielt George Harrison zwar eine indische Sitar, doch verkörpern die Beatles klassische Pop- oder Rock-Musik par excellence. Auch die Kollaboration «Dounia» (2003) zwischen den Berner Mundart-Rappern Greis und Baze und dem in Bern lebenden Raï-Sänger Samir Essahbi würde wohl von den meisten Rezipient*innen als Rap eingestuft.

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Worldmusic 2.0

Freitag, 18. Oktober 2019, 9.00 – 15.30 Uhr

Toni-Areal, Hörsaal 1

«Sie lässt sich in kein Korsett zwängen, ist widersprüchlich und mehrdeutig. Aus ihr klingt das Chaos der Welt, die Hektik des Alltags, die Wut über Weltpolitik und Wirtschaft und die Hoffnung, sich via Musik eine Existenz zu sichern.» 1)Burkhalter, Thomas (2011): Weltmusik 2.0: Zwischen Spass- und Protestkultur. Online verfügbar unter: https://norient.com/academic/weltmusik2-0/ [25.09.2019]

Weltmusik ist ein widersprüchliches Phänomen: auf der einen Seite wird der westlich geprägte Begriff, der vor allem aussereuropäische Musik labelt und vermarktet, als koloniales Relikt kritisiert, auf der anderen Seite löst Worldmusic Dualismen von eigen und fremd, europäisch und aussereuropäisch auf und ist selbst hybrid und interkulturell. Erfüllt Worldmusic 2.0 dank der digitalen Technologien den Anspruch eines gleichberechtigten Austauschs? Hat Musik einen geographischen Ort? Wie kann musikalische Vielfalt unterrichtet werden?

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References   [ + ]

1. Burkhalter, Thomas (2011): Weltmusik 2.0: Zwischen Spass- und Protestkultur. Online verfügbar unter: https://norient.com/academic/weltmusik2-0/ [25.09.2019]

Interview mit Sarah Gasser

Sarah Gasser studierte an der ZHdK BA Musik und Bewegung. Nach ihrem Abschluss hat sie ein Engagement bei der britischen Choreografin Seeta Patel. In der Produktion «Rite of Spring» verbindet Seeta Patel gemeinsam mit ihrer Compagnie die klassische indische Tanzform Bharatanatyan mit Le Sacre du Printemps.

Für ihr Engagement bei Rite of Spring hat Sarah Gasser ihr Studium bereits abgeschlossen. Am 2. April 2019 führte sie ihr Bachelorprojekt: Just Another Point Of View an der ZHdK auf. Die Bachelorprojekte ihrer Mitstudierenden Olavo Do Nascimento, Alina Harangozo, Marlen Müller, Fabienne Rosenbaum und Stella Vetter werden am 1. und 2. Juni um 19 Uhr im Theater am Gleis in Winterthur präsentiert.

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Read & Talk

Nach der Tagung Interkultur?! möchten wir in einer Lesegruppe weiter diskutieren.

Dazu laden wir euch zu Read & Talk am Mittwoch, 12. Dezember um 17.30 Uhr ins Kaskadenfoyer (5.K04), Toni-Areal ein.

Als Diskussionsgrundlage dienen der Text “Wer hört wie ich und zu welchen gehöre ich? Zum Begriff kultureller Identität im Kontext einer (interkulturellen) Musikpädagogik» von Dorothee Barth 1)Barth, Dorothee (2014): Wer hört wie ich und zu welchen gehöre ich? Zum Begriff kultureller Identität im Kontext einer (interkulturellen) Musikpädagogik. In: Art Education Research, 5 (9), S. 1-9. Online verfügbar unter: https://blog.zhdk.ch/iaejournal/files/2017/11/Dorothee-Barth-Text_n%C2%B09.pdf [20.11.2018] und der Vortrag von Chimamanda Adichie über “die Gefahr der einen einzigen Geschichte”. 2)“This talk was presented at an official TED conference, and was featured by our editors on the home page.” Online verfügbar unter: https://www.ted.com/talks/chimamanda_adichie_the_danger_of_a_single_story?language=de [20.11.2018]

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References   [ + ]

1. Barth, Dorothee (2014): Wer hört wie ich und zu welchen gehöre ich? Zum Begriff kultureller Identität im Kontext einer (interkulturellen) Musikpädagogik. In: Art Education Research, 5 (9), S. 1-9. Online verfügbar unter: https://blog.zhdk.ch/iaejournal/files/2017/11/Dorothee-Barth-Text_n%C2%B09.pdf [20.11.2018]
2. “This talk was presented at an official TED conference, and was featured by our editors on the home page.” Online verfügbar unter: https://www.ted.com/talks/chimamanda_adichie_the_danger_of_a_single_story?language=de [20.11.2018]

Interview mit Sibylle Dubs

Sibylle Dubs hat im Juni 2018 den Masterstudiengang Elementare Musikpädagogik an der ZHdK erfolgreich abgeschlossen. In ihrer Masterarbeit hat sie sich mit der Einführung des Faches Musik bei Welcome to School. Über den Sinn und die Möglichkeiten des Elementaren Musizierens mit Jugendlichen im Asylverfahren intensiv auseinandergesetzt.

Liebe Sibylle

Erzähle uns von Welcome to School und deiner Unterrichtstätigkeit.

Welcome to School füllt eine Lücke in der Gesellschaft: Das Angebot richtet sich an Jugendliche, die noch keinen Asylentscheid erhalten haben. Im Asylverfahren, das bis zu zwei Jahren dauern kann, werden Menschen über 16 Jahren, die vor Krieg, Terror oder Armut geflüchtet sind, wie Erwachsene behandelt. Und genau wie Erwachsene werden sie zum Nichtstun verdonnert. Welcome to School wurde von zwei engagierten Menschen in der Stadt Zürich gegründet und bietet Jugendlichen eine Tagesstruktur an. Am Morgen werden Fächer wie Geschichte, Mensch und Umwelt für die Schülerinnen und Schüler mit Deutschkenntnissen unterrichtet. Am Nachmittag besuchen alle Schülerinnen und Schüler Mathe, Deutsch, Musik und Handarbeit / Werken. Alle Lehrerinnen und Lehrer arbeiten ehrenamtlich.

Ich unterrichte Musik in der gelben Klasse, in der Schüler sind, die wenige bis gar keine Schulerfahrung haben. Die meisten meiner Schüler kommen aus Afghanistan. Andere kommen aus dem Iran, Eritrea und Syrien. Viele von ihnen sind schon lange auf der Flucht. Das Niveau ist sehr unterschiedlich und ist mit dem Primarschulstoff der 1. bis 5. Klasse vergleichbar. Continue reading

Interview mit Rahel Buschor

Im Oktober 2017 warst du an der ZHdK und hast den MA-Rhythmik Studierenden von deinen Projekten in China und Südkorea berichtet. Wo bist du gerade und woran arbeitest du?

Gerade bin ich von Seoul zurück in Beijing für ein paar Monate. Zum einen forsche ich an der Nationalen Akademie für Chinesische Theaterkunst, wo ich zwischen 2012-2016 Peking Oper Performance studiert habe, im Bereich einer kulturübergreifenden Bewegungssprache. Zusammen mit meinem koreanischen Bühnenpartner arbeite ich an einem Stück. Wir spielen mit traditionellem Bewegungsmaterial aus China und Korea, welches wir weiterentwickeln, verfremden und in einen neuen Kontext setzen.

Zum anderen bin ich als Freelancerin für die Deutsche Musikakademie tätig, welche voraussichtlich im September dieses Jahres die erste Schule in Beijing eröffnen wird. Ich coache chinesische Musiklehrpersonen, die in Zukunft an der Deutschen Musikakademie unterrichten werden. Hier geht es vor allem um die Vermittlung musikpädagogischer Grundlagen und deren praktische Umsetzung. Daneben gleisen wir erste Kurse in Musikalischer Früherziehung in lokalen Kindergärten auf. Diese Aufgabe entpuppt sich als hochspannend und herausfordernd.

Wodurch unterscheidet sich der Unterricht bzw. das Unterrichten in China zu dem in der Schweiz? Continue reading

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