Gastbeitrag von Hannes Liechti

Was ist «Weltmusik»? Musik, die überall auf der Welt gespielt wird? Musik, die aus fernen Weltregionen zu uns dringt? Oder gar Musik, die universell von allen Bewohner*innen dieser Welt verstanden wird? In diesem Beitrag skizziert der Musikethnologe Hannes Liechti (Norient) die Geschichte der «Weltmusik» und verdeutlicht die ambivalente Bedeutung und Verwendung des Begriffs. Daraus und aus der Diskussion von vier Beispieltracks lassen sich nicht zuletzt erste Perspektiven für den Umgang mit sogenannter Weltmusik im Unterricht gewinnen.

Was ist «Weltmusik»?

Eine erste Annäherung an diese Frage führt über Musikbeispiele. Die eingebundene Playlist ist eine heterogene Sammlung mehr oder weniger zufällig ausgewählter Songs und Tracks. Die Liste könnte ungleich länger sein, es soll hier einzig um die Beispielhaftigkeit der versammelten Tracks gehen. Wenn man denn so möchte, könnten alle diese Tracks als «Weltmusik» bezeichnet werden. Es bleibt jedoch bei der Möglichkeitsform, einen Konsens gibt es hier nicht. Schwyzerörgli-Musik würde wohl meist als traditionelle Musik aus dem Alpenraum bezeichnet werden und in «Norwegian Wood» (1965) spielt George Harrison zwar eine indische Sitar, doch verkörpern die Beatles klassische Pop- oder Rock-Musik par excellence. Auch die Kollaboration «Dounia» (2003) zwischen den Berner Mundart-Rappern Greis und Baze und dem in Bern lebenden Raï-Sänger Samir Essahbi würde wohl von den meisten Rezipient*innen als Rap eingestuft.

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