Gastbeitrag von Cecilia Knöpfli, SMI Studentin im 2. Ausbildungsjahr

Seit ich begonnen habe in der Schweiz Musikpädagogik zu studieren, erinnere ich mich ständig daran, wie der Musikunterricht in meiner Schulzeit in Chile war. In der Grundschule wurden uns die verschiedenen Instrumente der lateinamerikanischen Musik beigebracht, wie zum Beispiel die Zampoña (auf Deutsch Panflöte – die wir aus PVC-Rohren herstellen mussten). Ausserdem lernte ich das Charango, den Bombo und natürlich die Gitarre kennen. Aber in Wirklichkeit haben wir nie gelernt, sie zu spielen. Wir haben hauptsächlich gesungen und manchmal Blockflöte und Xylophon gespielt. 

Als ich begann, mich zu erinnern, welche Lieder ich gelernt hatte, wurde mir klar, dass sie alle auf Spanisch (meiner Muttersprache) sind. Dann fällt mir ein, dass sie alle Chilenen waren (mein Herkunftsland) und dass sie alle Klassiker der Folklore waren. 

Bei allen chilenischen Veranstaltungen in der Schweiz, seien es Partys, Proteste oder Demonstrationen oder einfach ein Treffen mit Freund*innen, immer wenn jemand eine Gitarre in die Hand nimmt, kennen und singen wir alle die gleichen Lieder. Unabhängig davon, wie gross der Altersunterschied zwischen uns ist. Ist das der Grund, warum die meisten von uns gemeinsam singen, wenn wir unsere persönliche Position zu einem Thema ausdrücken wollen? Wie sehr hat uns der Musikunterricht in der Grundschule beeinflusst? Dies wäre für mich ein interessantes Thema, das ich ein anderes Mal vertiefen möchte. 

Ich erinnere mich an den Musikunterricht in der Sekundarschule: dort, wo ich studierte – in der öffentlichen Schule (in Chile möchten die Eltern selten, dass ihr Kind auf eine öffentliche Schule geht, obwohl Privatschulen sehr teuer sind) kümmerte sich der Lehrer vermehrt um die Lernenden, die ein gewisses musikalisches Talent hatten und diejenigen, die es nicht hatten, berücksichtigte er kaum. Obwohl er uns Musiktheorie oder die Geschichte eines klassischen Komponisten lehrte, habe ich keine großen Erinnerungen. Da ich auch in einer freiwilligen Musikstunde war, konnte ich E-Gitarre spielen, und meine beste Freundin spielte Bass. Und mit den anderen Schüler*innen dieser Gruppe nahmen wir an allen Aktivitäten teil, die die Schule organisierte. Aber wenn wir nicht in dieser Gruppe gewesen wären, hätten wir diese Chance wahrscheinlich nicht gehabt. 

Aufgrund all dessen ist es für mich unmöglich, mich nicht für die schweizerische Musikerziehung vor mehr als 20 Jahren zu interessieren. 

Aus Gesprächen mit Schweizer Freund*innen oder Familienmitgliedern konnte ich feststellen, dass ihr Musikunterricht auf der Oberstufe nicht anders war als meiner. Gesang war auch hier sehr zentral.

Und nun frage ich mich: Was hat sich verändert? 

Als SMI-Studentin kann ich feststellen, dass sich die Art und Weise, wie Musik in den Schweizer Sekundarschulen unterrichtet wird, stark verändert hat. Wir haben eine unendliche Vielfalt, um etwas zu lehren. Aber was ist mit Chile? Als ich mit befreundeten Musiklehrpersonen von dort sprach, konnte ich herausfinden, dass sie dem Fach in den Schulen mehr Bedeutung schenken wollen und dass es nicht nur um Gesang geht. Ich habe auf Fotos und Videos gesehen, wie gut die Räume trotz der finanziellen Schwierigkeiten der öffentlichen Schulen mit Pianos, E-Gitarren, E- Bässen, Schlaginstrumenten usw. ausgestattet sind. Aber welche Methoden und welches Repertoire verwenden sie? 

Aus diesem Grund möchte ich untersuchen, wie dort heute Musik gelehrt wird; nicht nur die Themen, sondern auch die Art und Weise, wie sie vermittelt werden. Vorläufig weiß ich nur, dass an der Pädagogischen Hochschule die diplomierten Lehrpersonen sowohl in Primar- als auch in Sekundarschulen unterrichten dürfen. Dort gibt es keinen Unterschied im Vergleich zur Schweiz. Werden die Lehrmethoden in den beiden Ländern unterschiedlich sein? 

Wenn das Coronavirus es ermöglicht, möchte ich nach Chile reisen und meine Masterarbeit auf dieses Thema fokussieren. Denn irgendwie hat der Musikunterricht mein Leben extrem stark beeinflusst. Und ich würde gerne herausfinden, ob sie mit den gegenwärtigen Veränderungen mehr junge Menschen beeinflussen können. Ich möchte wissen, ob sie nun auch die Schüler*innen erreichen, die nicht durch ein Talent auffallen.

Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr mehr darüber zu berichten weiss.

Sofern jemand weitere Informationen dazu hat, bin ich offen für jegliche Beiträge: cecilia.ugarte(at)zhdk.ch