Gastbeitrag von Susanne Wohlgemuth, Schulmusik I Studentin im 2. Ausbildungsjahr 

Junger Rap aus Zürich 

An beiden Schulen, an denen ich im Kreis 6 in Zürich unterrichte, fallen mir Jugendliche auf, die sich leidenschaftlich und vielversprechend mit Worten und Musik beschäftigen. Ismael und Lawrence sieht man oft reimend durch den Schulgang grooven und auch von Sean wird man häufig mit einer witzigen Wortschöpfung auf Englisch begrüsst. Kevin muss eher aus der Reserve gelockt werden, aber seine Idee war es, im Unterricht 5 Wörter für die Person nebenan aufzuschreiben, aus welchen diese in wenigen Minuten einen Reim kreieren soll. Gibt man ihm 5 beliebige Worte auf Deutsch, spuckt er tatsächlich nach kurzer Zeit eine im Rhythmus klingende, sich reimende Geschichte aus. 

Die Schnittstelle zwischen Sprache und Musik interessiert mich persönlich sehr und ich bin fasziniert von der Begeisterung, mit der einzelne Talente sich dieser Kunst widmen. Ich möchte gerne eine Plattform schaffen, sei das online oder in Form einer Veranstaltung, an der die jungen Wortakrobaten und Reimkünstlerinnen ihre Texte öffentlich zeigen können. Ein Schritt dorthin, ist sie hier in einem Interview zu Wort kommen zu lassen, ein Weiterer, der Kunst im Musikunterricht Raum zu geben und zu lernen, wie sich der Trend aktuell verändert, wiederholt oder neu erfindet. 

Wann hast du angefangen zu rappen? 

Ismael: Also gehört hab ich Rap, seit ich ganz klein bin… Meine Mutter hat immer am Fernsehen Musik eingeschaltet, so 90’s Hiphop z.B. «Return of the Mack» und R’n’B, aber auch Streetart 2000… seit ich ganz klein bin. Ich habe manchmal zum Spass so getan, als würde ich rappen. Später, als ich älter wurde, habe ich mit meinem Kollegen hier ab und zu auf Schulbühnen performt, wo es Gelegenheit gab. 

Sean: Meine Mutter hatte eine Playlist und ich hatte ja kein Handy, d.h. ihre Playlist war die einzige Möglichkeit, Musik zu hören, da war mehrheitlich Hiphop drauf. So hörte ich Stücke wie Gangsta’s Paradise oder Songs von den Black Eyed Peas rauf und runter. Diese Lieder liebte ich. Und dann habe ich angefangen mit Ismael zu rappen… wir kennen uns seit dem Kindergarten. 

Hattest du Vorbilder? 

Ismael: Ein spezifisches Vorbild habe ich eigentlich nicht, aber es gibt natürlich Rapper, die ich gern höre, und bei denen ich auch genau hinhöre, wie die ihre Sache machen. Ich höre gern DaBaby oder früher war es wahrscheinlich Migos… 

Was macht Rap aus, was unterscheidet ihn von anderer Musik? 

Ismael: Also Rap macht Spass. Bei Rap zählt viel mehr auch die Art eines Menschen. Pop ist vielleicht eher tanzbar oder hat den Fokus auf dem Gesang, aber es vermittelt mir wenig echte Verbindung zum Text. Rap kommt mir persönlich natürlicher vor. Man erfährt mehr über die Leute, die einen Text rappen. Sie haben der Welt etwas zu sagen. 

Sean: Ich finde Pop hört sich für mich oft gleich an. Oder leicht nachahmbar. Rap dagegen ist vielseitiger und individueller. 

Ismael: Ich habe das Gefühl, in Popsongs geht es so oft um Liebe. Gut bei gewissen Rappern geht’s zwar auch immer nur ums Gleiche. Aber grundsätzlich sind die Texte auch sprachlich interessanter für mich. 

Lawrence: Mich fasziniert die Vielfalt im heutigen Rap. Da gibt es Mumble Rap oder Emorap, wo eher gemurmelt wird, Cloud Rap, der eher verträumt ist, Frat Rap geht eher in Richtung Partysound, Oldschool mit Funk und Soul im Hintergrund, Gangsta Rap wie Tupac etc… Keinen schlechten Überblick bietet diese Seite: 

https://www.redbull.com/ch-de/hip-hop-subgenres-guide

Denkt ihr Rapper verlieren ihre «Echtheit», wenn sie kommerziell sehr erfolgreich werden? 

Ja, das gibt es heutzutage oft. Aber es gibt auch ein paar OGs, die bleiben sich einfach treu. 

Was sind OG’s? 

Original Gangsters wie z.B. Ice Cube oder so. 

Was sind denn eure Themen, über die ihr 14- / 15jährigen Rapper rappen wollt? Was wollt ihr der Welt sagen? 

Sean: In vielen Songs wird versucht eine Message rüberzubringen, das muss nicht unbedingt sein. Rap ist für mich auch ein kreativer Umgang mit Sprache. Zum Beispiel könntest du auch einen ganzen Track über eine Kuh machen, wie Doja Cat – muh, dann bringst du einfach alles rein, was dir in den Sinn kommt, das macht Spass, was für mich die Hauptsache ist. 

Ismael: Ich spreche auch gern in meinen Texten darüber, wie man sich nicht entmutigen lassen soll, von Leuten, die nicht an dich glauben. Man sollte einfach nicht zu negativ werden, ich finde die Texte sollen in ihrer Grundstimmung positiv sein. 

Lawrence: Mich fasziniert der Flow, ich probiere einfach aus wie ich mit den Worten musikalisch in den Beat fliessen kann. Es interessieren mich aktuelle Themen unserer Zeit und wie Menschen darauf reagieren wie z.B. Covid19, Rassismus oder Jugendkultur. 

Kevin: Ich liebe es auf Schweizerdeutsch zu texten. Das interessiert mich viel mehr als Englisch, da habe ich einen Flow. Ich schreibe immer Texte in meine Handynotizen. Ich trau mich noch nicht so die Texte aufzunehmen, ich will zuerst richtig gute Beats haben. Und ich möchte den Freestyle besser beherrschen, dazu muss ich Übungen machen, wie 5 Wörter in einer Minute zum Reim vernetzen oder improvisieren mit Nonsense-Sprache. 

Ismael: Ja, freestylen ist die höchste Kunst, das will ich auch gern können, aber meine Rapsprache ist Englisch. Ich habe mir vorgenommen mehr englische Literatur zu lesen, Gedichte, Romane… Und im Wörterbuch gleichklingende Wörter zu sammeln. 

Kennt ihr Anlässe, wo gegeneinander angetreten wird? 

Kevin, Sean, Lawrence: Nein, eigentlich nicht. Ismael: Wenn, dann machen wir das in der Freizeit unter Kollegen. 

Wärt ihr dabei, wenn es einen solchen Anlass hier im Quartier gäbe? 

Ja klar! Sicher! For sure! I’m in! 

Hörprobe der jungen Rapper: 

Ismael aka Young Ismi – Vibing Soda:

Sean – Jump Freestyle:

Lawrence aka Rap Hokage – Meme Webb:

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