Worldmusic 2.0

Freitag, 18. Oktober 2019, 9.00 – 15.30 Uhr

Toni-Areal, Hörsaal 1

«Sie lässt sich in kein Korsett zwängen, ist widersprüchlich und mehrdeutig. Aus ihr klingt das Chaos der Welt, die Hektik des Alltags, die Wut über Weltpolitik und Wirtschaft und die Hoffnung, sich via Musik eine Existenz zu sichern.» 1)Burkhalter, Thomas (2011): Weltmusik 2.0: Zwischen Spass- und Protestkultur. Online verfügbar unter: https://norient.com/academic/weltmusik2-0/ [25.09.2019]

Weltmusik ist ein widersprüchliches Phänomen: auf der einen Seite wird der westlich geprägte Begriff, der vor allem aussereuropäische Musik labelt und vermarktet, als koloniales Relikt kritisiert, auf der anderen Seite löst Worldmusic Dualismen von eigen und fremd, europäisch und aussereuropäisch auf und ist selbst hybrid und interkulturell. Erfüllt Worldmusic 2.0 dank der digitalen Technologien den Anspruch eines gleichberechtigten Austauschs? Hat Musik einen geographischen Ort? Wie kann musikalische Vielfalt unterrichtet werden?

An diesem Expert Day werden wir uns mit Klängen, Bildern und Bedeutungen der Worldmusic 2.0 beschäftigen. Hannes Liechti (Musikethnologe, Journalist, Kurator, norient) und Olivier Blanchard (Musiklehrer, Kulturwissenschaftler) erweitern dabei unsere Perspektiven und wir diskutieren die Fragen an den musikpädagogischen Alltag.

Zur Vorbereitung stellen wir euch zwei Texte zur Verfügung 2)Die Texte sind urheberrechtlich geschützt. Das Passwort zum Download erhalten die Studierenden von ihren Fachdidaktik-Dozierenden oder können es bei Sabine erfragen. Interessierte schreiben bitte eine Mail an sabine.dani(at)zhdk.ch. . Beide Texte stammen aus dem Buch Global Pop. 3)Leggewie, Claus; Meyer, Erik (Hrsg.) (2017): Global Pop. Das Buch zur Weltmusik. Stuttgart: Metzler. Das Buch steht im MIZ zur Ausleihe bereit. In der Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung wurde das Buch ebenfalls verlegt und kann im bpb-Shop günstig bestellt werden.

Bitte schreibt eure Fragen, Anmerkungen und Gedanken in die Kommentare.

Protected: Wa(h)re Weltmusik. Diskurse des Global Pop (Erik Meyer)

In: Leggewie, Claus; Meyer, Erik (Hrsg.) (2017). Global Pop. Das Buch zur Weltmusik. Stuttgart: J. B. Metzler. S. 188-194

Protected: Von Fusion und Crossover zur Weltmusik 2.0: Eine Begriffs- und Ideologiekritik (Ulrich Kriest)

In: Leggewie, Claus; Meyer, Erik (Hrsg.) (2017). Global Pop. Das Buch zur Weltmusik. Stuttgart: J. B. Metzler. S. 17-26

References   [ + ]

1. Burkhalter, Thomas (2011): Weltmusik 2.0: Zwischen Spass- und Protestkultur. Online verfügbar unter: https://norient.com/academic/weltmusik2-0/ [25.09.2019]
2. Die Texte sind urheberrechtlich geschützt. Das Passwort zum Download erhalten die Studierenden von ihren Fachdidaktik-Dozierenden oder können es bei Sabine erfragen. Interessierte schreiben bitte eine Mail an sabine.dani(at)zhdk.ch.
3. Leggewie, Claus; Meyer, Erik (Hrsg.) (2017): Global Pop. Das Buch zur Weltmusik. Stuttgart: Metzler. Das Buch steht im MIZ zur Ausleihe bereit. In der Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung wurde das Buch ebenfalls verlegt und kann im bpb-Shop günstig bestellt werden.

17 Comments

  1. Christian Berger

    Ist der Begriff «Worldmusic» europäischen Ursprungs oder hat er in allen Ländern der Welt die gleiche Bedeutung? Ist in anderen Länder eine ähnliche Motivation, eine ähnlicher Umgang damit zu erkennen, sich von anderen Kulturen beeinflussen zu lassen?
    Wo befindet sich die Grenze zwischen «kultureller Anbiederung» und einem «verantwortungsvollen Umgang» mit der Musik aus verschiedener Herkunft.
    Klasse BMB 3

    • Dieter Ringli

      Der Begriff stammt aus den U.S.A. und wird Robert E. Brown zugeschrieben, der 1961 sein neu eingeführtes Musikethnologie-Programm an der Wesleyan University in Connecticut als «World Music» bezeichnete.
      In den 1980ern wird der Begriff dann immer stärker auf Fusionen zwischen lokaler (afrikanischer) Musik und westlicher Popmusik bezogen.
      In Afrika wird der Begriff nicht verwendet; dort wird das, was wir als «Worldmusic» bezeichnen, als afrikanische Musik verstanden. (z.B. Mbalax, Juju, Highlife), auch wenn Elemente aus (latein-) amerikanischer Popmusik einfliessen.

  2. Fabian Tinner

    Inwiefern ist ist das Sprechen über Gattungen hilfreich, bzw. wann wird eine Zuweisung zu einer Gattung hinderlich?

  3. Sandrine Kindler

    Welche Begriffe und Definitionen des Bereichs “World Music” kann und darf ich – bei aller Komplexität des Themas – als Lehrperson im Unterricht verwenden? Gibt es falsche, fehlerhafte Begriffe und Aussagen, welche ich vermeiden sollte?

  4. Leonie Bradatsch

    Wie vermittle ich “Weltmusik” im Klassenzimmer, wenn Kinder mit dem entsprechenden Background/Herkunft anwesend sind? Sollten diese Kinder mit einbezogen werden? Wie kriegen sie nicht das Gefühl, “zu den anderen” zu gehören, über die man in dem Moment ja spricht?

  5. Susanne Wohlgemuth

    Was ist der Unterschied zwischen Worldmusic und Traditioneller Volksmusik und Pop?
    Ich bin der Meinung der Begriff Weltmusik ist zu schwammig und zu perspektivenabhängig für den Unterricht, wenn man so will, ist ja alles Weltmusik, was auf diesem Planet gespielt wird.
    Auf der Suche nach interessanten und guten Stücken, Liedern, Tänzen und Werken aus der eigenen sowie der Heimat von Mitmenschen kann ich die Jugendlichen auch miteinbeziehen–> kollektives Wissen. Es ist wichtig, dass alle auf die Suche gehen sollen, auch CH-SuS.
    Wie wählt die Seite norient.ch die Musik aus aller Welt aus?

  6. BMB 2

    In unserer internationalen Klasse wird uns schnell klar, dass der Begriff Weltmusik von allen sehr verschieden verstanden wird – und Weltmusik auch im Sinne ihrer herkunft oder Klangelemente für alle etwas anderes bedeutet.

    «Wahre Weltmusik» könnte diese Musik sein, die uns etwas Neues über die Welt erzählt, die uns Hintergründe über das uns Fremde beleuchtet.

    Bei uns «zuhause» möchten wir möglichst weltoffen, globalisiert und alle Kulturen umspannend sein – in der Welt aber möchten wir am liebsten das Unverfälschte, komplett Authentische und Unvermischte erleben (wäre das dann das Gegenteil von Weltmusik?).

    Gibt es Weltmusik überhaupt noch? Unserer Meinung nach sind wir heute schon zwei oder drei Schritte weiter in Richtung Hyperkultur. Hier passieren die eigentlich spannenden Entwicklungen.

    Ist das Authentische (im Sinne einer eindeutig erkennbaren Herkunft der Elemente einer Musik) überhaupt wichtig? Oder ist Authentizität genau das, was Weltmusik ausmacht?

    Ist die sogenannte «Weltmusik» ein Durchbruch der Musik oder eher ein Hindernis bei der Entwicklung der traditionellen (im Sinne von eigenen) Musik einer Region?

  7. Christian Berger

    Ist das „Genre“ eine Frage der Definition und einer daraus resultierenden Reduktion (Simplifizierung) und Einschränkung oder gar einer Beurteilung und Bewertung ?
    EMP 3

  8. Daniela Häni/ EMP 2

    In unserer Diskussion standen folgende Aussagen/Fragen im Zentrum:
    – Der Begriff “World Music” impliziert eine Abgrenzung der “westlichen Welt versus der restlichen Welt”. Diese Distanzierung beinhaltet oft etwas niedliches, exotisches, fremdes.
    – Weshalb verbinden wir mit dem Ausdruck “World Music” oft Rhythmus und Perkussion? Etwas erdiges, ursprüngliches? “Afrikanische*” Musik? (*wird in diesem Kontext bewusst allgemein formuliert).
    – Den Menschen hilft es, die Welt in Kategorien einzuteilen, so auch die Musik. Oftmals entsteht so ein mit Vorurteilen belastetes Bild (z.B. “ich mag keinen Jazz”), anstatt dass man den/die Künstler/in in den Vordergrund stellt und einfach mal hört, wie die Musik auf einen wirkt.
    – Volksmusik wird in verschiedenen Kulturkreisen unterschiedlich zelebriert und gelebt (z.B. als selbstverständliches Studienfach an den Musikhochschulen im Norden Europas). Es braucht einen sensiblen Umgang mit den Liedern in einem schulischen Kontext und ein Bewusstsein für ihre Herkunft.

  9. Braida Schulmusik I

    Sehr oft werden z.B. afrikanische Lieder mit Klassen gesungen. Darf man überhaupt Lieder aus anderen Kulturen mit den SuS singen, ohne, dass man genau weiss, was inhaltlich gesungen wird oder wie die Texte richtig ausgesprochen werden?
    Meiner Meinung nach ist dies nicht wirklich authentisch, wenn keine wirkliche Verbindung zu einer Sprache/Kultur besteht.
    Was ist genau die Voraussetzung, um Lieder, Tänze oder Rhythmen aus anderen Kulturen mit den SuS einführen zu dürfen?

  10. Vera, EMP 1

    1) Auf einer theoretischen Ebene ist inzwischen die Rede von Weltmusik 1.0 und 2.0. Welche Konsequenzen ergeben sich in der alltäglichen Auftritts- und Selbstvermarktungspraxis für Musiker*innen, deren Musik mangels präziseren und differenzierteren Kategorien immer noch unspezifisch unter “Worldmusic” zusammengefasst wird?

    2) Musikpädagog*innen arbeiten vermutlich immer noch mit Musik aus der Kategorie Weltmusik 1.0, die beispielsweise in Liederbüchern zu finden ist. Diese bleibt dort oftmals unkommentiert und ist häufig mit unspezifischen oder ungenauen Ursprungsangaben versehen (“trad.”, “afrikanisch”). Diese Musik ist darauf angewiesen, dass sie von sensibilisierten Musiker*innen und Pädagog*innen kontextualisiert wird. Wird auf theoretischer Ebene auch darüber nachgedacht, wie nun mit dem musikalischen Erbe umzugehen ist, das im Zuge der kolonial geprägten Weltmusik 1.0 entstanden ist?

  11. Roby SM1

    Warum schaffen es nur die Pop-Songs von anderen Ländern zum Thema bis zu uns?
    Diese entsprechen meistens nicht meinem Geschmack, obwohl es sicher viele bessere/authentische Songs gäbe.

    Meiner Meinung nach sollte betitelt werden, wenn bei den Songs Vermischungen der Genres vorhanden sind, ansonsten mit der genauen Bezeichnung des Landes, oder dessen Haupt Genre (z.B. Cumbia-Rock).

  12. César Lahuatte, SMI

    Ist “Weltmusik” für z. B. Personen aus Lateinamerika alles westliche, afrikanische etc. oder legt der Begriff klar fest, dass alles andere als westliche Musik “Weltmusik” ist, also auch unter anderem Latinmusik?

  13. MA SMII - Bastian Ritzmann

    In unserer Diskussion haben sich zwei kontroverse Thesen bzw. Fragestellungen herausgebildet:
    – Ist es sinnvoll, Musik, die sich nicht mehr auf einzelne kulturelle Bestandteile bezieht (vgl. «super-kultureller Modus»), als Worldmusic zu bezeichnen? Oder kann man die Musik nicht einfach für sich stehen lassen?

    – Um super-kulturelle Phänomene zu verstehen, sollte man die ursprünglichen Einflüsse kennen und den Kontext berücksichtigen. Musik hat oft eine historisch-kulturelle Dimension, die die Produktion und Rezeption beeinflusst.

  14. Edith Stocker

    Fragen aus dem MA RH:

    Woher kommt der Begriff Weltmusik 2.0? Wer macht die Zuordnung zu diesem “Genre” – die Musiker*innen, der Westen, die Musikindustrie…?

    Welche Wichtigkeit haben die digitalen Netzwerke? Welche Plattformen weder vorwiegend genutzt? Welche Interessen von wem stehen dahinter?

    Was macht der Markt mit “Weltmusiker*innen”?

    Kann man 2.0 überhaupt ernst nehmen oder ist es ein “Trend”? Braucht es den Begriff Weltmusik überhaupt (noch)? Warum? Gibt es nicht eh für alles ein “Genre” oder es kann stets ein solches neu definiert werden?

    Wie unterscheidet sich bei einer Hörprobe Weltmusik 1.0 und 2.0…?

  15. Edith Stocker

    Fragen aus dem BMB1:

    Wer definiert die Zuordnung Weltmusik? Wann ist etwas keine Weltmusik?
    Machen der Kontext, die Aufführungspraxis, der Musiker, der Rezipient, die Vertiebswege usw. die Weltmusik zur Weltmusik?
    Was “will” die Weltmusik?

  16. Adrian Egger

    Ich denke dass der Begriff “Volksmusik der Welt Kulturen” für eine gewisse Art überlieferter Musik treffend ist. Diese Musik verbindet die Generationen und ist nicht nur Jugendkultur. Oft hat diese Musik noch eine Verbindung zu den Bräuchen eines Volkes. Hochzeite und Feste welche die “grossen” Momente im Kreislauf des Lebens der Menschen und der Gemeinschaften markieren.

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